Gift

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Zu dieser Zeit fühlte es sich so an, als ob Krebs das einzige Thema war, worüber ich in meiner Kunst sprechen konnte. Es war eine grosse, lebensverändernde Erfahrung für mich – nicht nur schwer krank zu sein und wieder gesund zu werden, sondern auch wie die Krankheit meine Perspektive verändert hat auf die Art von Theater, die ich mache, wie und wann ich Theater mache, meine Wertschätzung vom Publikum und Wertschätzung mir selbst gegenüber.  Ich spürte eine Dringlichkeit diese Performance zu machen, um von der Gesellschaft gesehen zu werden: Krebs betrifft so viele von uns und es war sehr berührend während dem Arbeitsprozess die Geschichten von anderen Überlebenden zu hören, von Onkologie-Pflegenden und von Familien und Freunden von Betroffenen zu hören, wie die Aufführung sie bewegt hat.

Für mich war es wichtig, dass die Performance nicht schwer, sondern entwaffnend ehrlich ist. Aus diesem Grund konzipierte ich das Stück einerseits als Informationspräsentation und anderseits als Gameshow. Die Verwendung von Moving Lights, Glitzer, Musiktheater sollte einen Kontrast darstellen zur Schwermütigkeit des Themas und so eine Balance erschaffen. Ich wollte mein Publikum kitzeln und sich sicher fühlen lassen mit der Form der Darbietung aber auch ohrfeigen mit der Realität der Chemotherapie und der schwerwiegenden Krankheit, indem ich eine brechtische Beziehung zum Publikum aufbaue. Damit dieser Effekt funktioniert, habe ich eine hoch-theatralische Version meiner selbst erschaffen. Ich wollte versuchen für die Zuschauer die beste Freundin zu sein, um sie auf eine Reise mitzunehmen bei der sie Lachen, Weinen, sich peinlich berührt oder bewegt fühlen können. Ich glaube es ist mir gelungen meinen Zuschauern ein Gefühl von Hoffnung zu vermitteln, sodass sie, wenn sie das Theater verlassen, bereit sind, das Geschenk („Gift“) der Zeit anzunehmen.

Finalist in der HKB Ober-Gerwern-Masterpreis 2017

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